Rundflug über die Perleninseln im Golf von Panama
Wer in Panama lebt oder sich längere Zeit hier im Land aufhält, der kann so einiges erleben. Ich kann davon seit anderthalb Jahren ein Lied singen, oder auch drei Bücher schreiben. Eines meiner absoluten Highlights hier in Panama ist zweifellos mein Rundflug von Rio Hato hinüber zum Archipielago de las Perlas, den Perleninseln im Golf von Panama. Genauer gesagt zur Isla Contadora.

Morgens um acht Uhr treffe ich mich mit Jürgen, ebenfalls ein deutscher Expat und seit Jahren in Panama ansässig, am Flughafen Scarlett Martinez in Rio Hato. Eine knappe halbe Stunde dauern die Vorbereitungen für den Flug inklusive meiner Sicherheits-Anweisungen.
Alles ok, wir können los !
Um 8.41 Uhr heben wir ab, es ist ruhiges Wetter, kaum Wind, und schon überfliegen wir die Interamericana, um kurz darauf hinaus über den Pazifik zu fliegen. Bis hier läuft alles perfekt, Jürgen ist ein klasse Pilot und die kleine zweisitzige Maschine erreicht allmählich ihre Flughöhe von 4.500 Fuß, etwa 1500 Meter. Unter uns schimmert der Pazifik in der Morgensonne und zeigt sich in tiefstem blau.

Nach etwa vierzig Minuten Flugzeit kommen die Perleninseln in unser Blickfeld. Was für ein Anblick ! Also ehrlich, so etwas habe ich noch nie gesehen, und schon gar nicht aus dieser Perspektive ! Türkisfarbenes Wasser, weiße und goldfarbene Sandstrände, allesamt in traumhaften Buchten eingebettet. Ein Paradies, da lege ich mich schon hier oben mal fest ! Wir überfliegen unzählige kleinere Inseln und Riffe, bevor wir über die Isla Saboga Kurs nehmen auf unser eigentliches Ziel: Die Isla Contadora. 


Isla Contadora
Es ist auch hier ruhiges Wetter, nach einer Stunde Flugzeit landen wir sportlich und ohne Probleme fast direkt am Fähranleger, wo gerade eine größere Touristengruppe angekommen ist. Wir beiden schnappen uns gleich unsere Badesachen und machen uns auf den kurzen Fußweg hinunter zum Strand, der Playa Larga.

Mein Eindruck aus der Luft findet hier sofort seine Bestätigung: Weißer Korallensand, türkisfarbenes, flach abfallendes Wasser ohne Strömung oder Wellengang. Jepp, so soll es sein ! Unter einem Palmdach machen wir es uns nach dem Bad erst mal gemütlich und reden über den Flug, über Panama, über unsere alte Heimat und über Gott und die Welt.

Dann brechen wir zu einem kleinen Rundgang über die Insel auf, sie ist gar nicht so groß. Wie andernorts in Panama auch fallen mir hier jede Menge „Se Vende“ – zu verkaufen – Schilder an vielen Häusern und Grundstücken auf. Aber fragt nicht nach Preisen hier, nicht meine Liga !
Aber wirklich traumhaft gelegen, das muss ich zugeben. Und die Strände hier auf Contadora gehören für mich zusammen mit den San Blas-Inseln zu den mit Abstand schönsten hier in Panama.



Wir nehmen noch ein zweites erfrischendes Bad, und ich schaue mir direkt am Strand ein verlassenes und verfallenes Urlaubsressort an. Schade drum ! Jetzt gegen Mittag kommt der Hunger, wir beide kehren ein bei Gerald´s, einer deutsch geführten Pension mit Restaurant. Nach lecker Thunfisch-Tatar und fangfrischem Fischfilet geht’s dann gegen 14 Uhr wieder zurück Richtung Rio Hato. Wir überfliegen diesmal die Isla del Rey, die größte Insel des Archipels. Aus der Luft sehe ich hier einige Baustellen, an denen wohl in den nächsten Jahren neue Hotels oder Ressorts oder vielleicht auch private Luxusanwesen prominenter Hollywood-Stars entstehen werden.

Der Rückflug am frühen Nachmittag verläuft ebenfalls ohne Probleme, wir sind eben Glückskinder hier in Panama. Aus der Ferne sehen wir Punta Chame und mir gelingen jetzt etwas bessere Aufnahmen als heute früh im Morgendunst.

Nach knapp einer Stunde nähern wir uns wieder dem Heimatflughafen mit fantastischem Blick auf Coronado, San Carlos, Farallon und die weit dahinter aufsteigende Gebirgskette um El Valle de Anton. Ein toller Tag hier oben über dem Pazifik, über den Perleninseln und am Strand von Isla Contadora ! Danke Jürgen, bis zum nächsten Mal !
San Carlos und Coronado, im Hintergrund die Berge um El Valle





Da flitzen alle runter zum Ufer und fangen an, fleißig Bierdosen einzusammeln und vors Haus zu bringen. Nach etwa drei Minuten sage ich „Stopp!“ und sehe mir das Ergebnis an. Nachzählen tut hier natürlich niemand, ich küre einen Gewinner und überreiche ihm den Golfball. Boah, die Freude ist groß, und weiter geht’s.
Ja, was willste sonst machen bei so ´nem Schmuddelwetter ? Ich freue mich hier auf die Strände und die wirklich unberührte, unerforschte Natur und hoffe einfach, dass morgen besseres Wetter ist.





Chiriqui Grande liegt direkt an der Atlantik-Küste, hat allerdings keinen brauchbaren Strand in der Nähe. Es ist eigentlich nur wichtig aufgrund seines großen Petro-Terminals. Hier werden per Schiff riesige Mengen Rohöl über den Atlantik angeliefert und über eine Pipeline quer durch Panama an den Pazifik geleitet.
Ich freunde mich schnell mit Teresa, der Besitzerin an, sie hat noch nicht allzu viele Gäste aus Deutschland bei sich gehabt. Ich bin hungrig, sie empfiehlt mir das Restaurant „Steak y mar“ direkt am Wasser gelegen und spezialisiert auf Fisch und Meerestiere. Ich bin gespannt, mache mich auf den kurzen Fußweg und finde nach nur einmal falsch Abbiegen auch das Lokal.
Salat und Dip. Das Lokal macht einen für hiesige Verhältnisse wirklich guten Eindruck, obwohl hier wie gesagt, kaum Touristen herkommen. Der Ort selbst wirkt ein bisschen schmuddelig, aber irgendwie charmant. Ich bleibe ja auch erstmal nur eine Nacht hier, weil ich nicht den ganzen Weg hoch bis Bocas del Toro / Almirante an einem Tag fahren will.



Im Hostal wohnt auch eine Lehrerin, die sich am Abend zu Teresa und mir gesellt. Sie erzählt mir, das sie mit einigen ihrer Schüler am kommenden Wochenende nach Kusapin fahren möchte, um dort Seekühe zu beobachten. Ich kann gerne mitkommen, wenn ich möchte.


Stromleitungen werden hier ausschließlich überirdisch verlegt. Wasserleitungen ebenso, manche schaffen es aber, sie wenigstens ein paar Zentimeter unter die Erde zu legen.
Schulkinder tragen in Panama ausnahmslos Schuluniformen, zu erkennen an weißem Hemd / weißer Bluse und blauer Hose / blauem Rock. Sie sind während der Schultage ganztägig zu sehen, da der Unterricht aus Kapazitätsgründen für die einen am Vormittag und die anderen am Nachmittag stattfindet. Die staatlichen Schulgebäude sind ebenfalls weiß und blau.
Abholzung und die damit verbundene Zerstörung des Waldes lassen riesige Freiflächen für Viehhaltung und Siedlungsprojekte entstehen. Kahle Böden ohne Pflanzen oder Bäume können aber nun mal kein Wasser speichern. Der Grundwasserspiegel sinkt, Bäche und Flüsse, auch große, führen Niedrigwasser oder trocknen ganz aus, weil ihnen das schützende Blätterdach fehlt. Der natürliche Zyklus des Regenwaldes aus Verdunstung, Wolkenbildung, Regen, Verdunstung, Wolkenbildung, Regen u.s.w ist durch zunehmende Versteppung der Landschaft gestört.
Sehr lecker, sofern man englisches Bier mag. Happy Hour ist immer von vier bis sechs Uhr mit einem Dollar Preisnachlass pro Pint.
OK, es gibt Rum-Cola auf Eis für zwei Dollar, gesponsert wurde das ganze u.a. vom lokalen Rumfabrikanten Ron Abuelo, Eintritt haben wir je 20 Dollar für einen Tisch zweite Reihe bezahlt. Die Halle ist nicht ausverkauft, aber mit etwa 1.500 Besuchern ganz gut gefüllt und die Menge geht richtig steil mit ! Alles super, hätte nie gedacht dass ich in Panama so einen Event in mal mitmache.


Einige Nachmittage verbringe ich in der coolsten Bar der Stadt, Mikes´s Global Grill. Es ist schließlich Fußball-EM und in der Runde mit anderen macht das Fußball-Gucken viel mehr Spaß. Durch die Zeitverschiebung von sieben Stunden laufen die EM-Partien hier am frühen Nachmittag. Es gibt gutes Essen, man lernt alle möglichen Leute kennen, vorwiegend Amerikaner die hier leben und auch Touristen. Empfehlenswerte Location !

Was mir an der ganzen Gegend nicht so gut gefällt, ist die Art der Wiederaufforstung ausschließlich mit Nadelbäumen, Pinien um genauer zu sein. In tropischer Umgebung wirkt es auf mich ein bisschen befremdlich, muss ich gestehen.
Einheimische dagegen finden es toll, denn Nadelbäume gelten hier in den Tropen eher als Exoten, etwa so wie bei uns Kokospalmen.
In wenigen Tagen fliege ich wieder für drei Monate nach Deutschland zurück. Im Januar 2016 hatte ich mir ja vier Dinge vorgenommen: Autokauf, Bankkonto eröffnen, Migration / Aufenthaltsgenehmigung beantragen und endlich mal nach Bocas del Toro fahren. Ich nehme es vorweg: Letzteres habe ich diesmal wieder nicht geschafft, aber dafür habe ich die wirklich wichtigen Dinge vorangebracht und bin vollauf zufrieden.
Zum Baden fahre ich mittlerweile nicht mehr so oft an den Pazifik-Strand, sondern an den Zaratí. Der Fluss ist sehr sauber und hat an vielen Stellen sogar kleine Badebuchten mit richtigem weißen Sand. Herrlich ! Ein echter Geheimtipp !
Mitte März bekomme ich einen Anruf von meiner Anwältin, die ich vor kurzem mit meiner Dauervisum-Angelegenheit beauftragt habe. Sie sagt, dass alle meine Unterlagen in Ordnung sind. Ich kann nach Panama City kommen, um mir zunächst meine einjährige Aufenthaltsgenehmigung abzuholen.